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'Magie'
- ein
irreführender Begriff
Nach den Regeln der allgemein anerkannten Logik kann eine Definition nur dann stattfinden, wenn wir das gesamte zur
Verfügung stehende Material in zwei Kategorien aufteilen - in diesem Fall also
in "Magie" und "Nicht-Magie" oder "magisch" und "mondän".
Solch primäre Aufteilungen gelten natürlich auch für andere verwandte Begriffe unseres
esoterischen Wortschatzes, so wie z.B. "normal" und "paranormal" oder
"weltlich" und "übersinnlich".
Um einen Begriff definieren zu können müssen wir zuerst eine Anzahl
von Kriterien festsetzen, nach denen die gesamte Information der einen
oder anderen Kategorie zugewiesen werden kann. Im Fall der Magie ist das
Hauptkriterium sicher die Frage, ob das zu bewertende Phänomen nach
Meinung der modernen Wissenschaften im Rahmen erkannter Naturgesetze
abläuft oder nicht.
An dieser Stelle sei nur kurz erwähnt dass ein riesiger Teil dessen, was in der Vergangenheit noch als Magie oder magisch
aufgefasst wurde, in der heutigen Zeit längst als entmystifiziert oder normal angesehen wird. Zusätzlich tragen
fortgeschrittene naturwissenschaftliche Kenntnisse ihr eigenes dazu bei, dass sogar verschiedene Menschen derselben
Zeitperiode ein und dasselbe Geschehen als magisch oder nicht-magisch bezeichnen würden;
dies eben äbhängig von ihrem individuellen Wissensstand.
Dieser Umstand lässt eindeutig erkennen, dass es sich bei Magie nicht um ein Gebiet jenseits einer
von der Natur oder dem Universum selbst festgesetzten Grenze handelt, sondern lediglich um eine
subjektive menschliche Definition mit fliessendem und zeitlich wandelbarem Wahrheitsgehalt.
Magische Handlungen finden deshalb stets auf einer individuellen, beweglichen Ebene statt; auf einer sich ständig
verändernden Linie zwischen dem Gewöhnlichen und dem Unmöglichen. Dieser Grenzbereich
verlagert und verkleinert sich stetig mit Wissen, Erfahrung und dem ausgeprägten Talent von uns Menschen, sich
in Denken und Handeln neuen Gegebenheiten und Regeln anzupassen. Die persönliche Auffassung von 'übernatürlichen'
Ereignissen verwandelt sich mit angemessener Zeit und entsprechender Übung in die blosse Einsicht, momentan noch als
unentdeckt geltende Naturgesetze erkannt und angewandt zu haben.
Die Arten von 'Magie' von denen heutzutage meist geredet und geschrieben wird, haben allgemein bekannte und
benennbare Wurzeln. Bekannte Untergruppen sind: [mit
herzlichem Dank an Dr. Rauer für die 'rohen' Beschreibungen der Kategorien, auf welche ich meine hier aufbaue]
Theurgie - von verschiedenen Gruppierungen auch auch 'Weisse Magie' oder 'Hohe Magie' genannt. Die
Theurgie hat ihren Ursprung in der griechischen Zivilisation der Zeitenwende (BCE/CE), während hierin auf weit ältere
Überlieferungen der Perser verwiesen wurde, welche als Quelle des Wissens griechischer Priester und Philosophen
genannt wurde.
Sekundäre Definitionen:
- Weisse Magie: Magische Praktiken, die in spiritueller, heilender oder sonstwie positiver Absicht ausgeübt werden.
Diese Definition kann allerdings nur angewendet werden, wenn die
magische Arbeit bewusst oder unterbewusst auf einer
dualistisch-religiösen Grundhaltung beruht; d.h. dem Glauben an
objektiv existierende 'gute' und 'böse' Mächte in der Ordnung des
Universums.
- Hohe Magie: Magische Praxis, die die spirituelle Transformation des Ausübenden herbeiführen soll. Sie soll das Bewusstsein
des Magiers auf das heilige Licht im Inneren lenken, das sich häufig in Hochgöttern aus verschiedenen Kosmologien
manifestiert. In der hohen Magie wird die Kommunikation mit dem persönlichen Schutzengel oder höheren Selbst angestrebt.
Vertreter der Theurgie waren u.a. der Neuplatonist
Plutarchos von Chaironeia
(~45 bis ~120) und seine Tochter, die Philosophin
Asklepigeneia
. Plutarchos wollte einen möglichst reinen Gottesbegriff entwickeln, welcher Gott selbst ohne Eigenschaften, moralisch
neutral und über alles Böse erhaben darzustellen suchte. Hier sind bereits eindeutige Parallelen zur Definition zu erkennen,
welche auch vom jüdischen Glauben und dem darauf abstützenden Christentum offeriert wird. Plutarchos misdeutete
jedoch alle ihm bekannten Glaubenssysteme als blosse verschiedene Gesichter einer einzigen 'wahren' Religion.
Dämonologie - von verschiedenen Gruppierungen auch 'Schwarze Magie' genannt, gilt auch als 'Destruktive
Magie, da sie zum Ziel haben soll, Menschen, Besitztümer oder Ernten zu zerstören und das Leben anderer in irgendeiner
schädlichen Weise zu beeinträchtigen. Der Glaube an eine
dualistisch-religiös definierte Macht-Ordnung innerhalb des Universums
nach Art der jüdischen, christlichen, islamischen und bedingt auch
buddhistischen Lehre ist auch hier, wie bei der 'weissen' Magie,
Bedingung für die Anwendbarkeit der Definition.
Kontagiöse- oder Kontakt-Magie - der Glaube, dass zwischen Dingen, die miteinander in Kontakt gestanden
haben, weiterhin eine Verbindung besteht, und dass daraus durch magische Zauberkünste Schaden erwachsen kann,
zum Beispiel durch magische Rituale mit Fingernägeln, Haarspangen oder anderen Gegenständen. [Abgeschlagene
Diebeshände gefällig? *ggg*]
Niedere Magie - auf praktische oder häusliche Belange ausgerichtet. Sie soll beispielsweise zu plötzlichen
Reichtum, einer neuen Geliebten, einem besseren Arbeitsplatz oder einer Glückssträhne verhelfen
Zeremonielle/Rituelle Magie - Magie, die sich des Rituals, der Symbole und Zeremonien bedient, um
übernatürliche mystische, Universum und Menschheit verbindende Kräfte darzustellen. Die rituelle Magie ist ein Genuss
für die Sinne - für Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack und Gefühl - denn sie lebt durch ihre feierlichen Gewänder,
bühnenreifen Beschwörungsformeln für Götter, Geister oder Dämonen, stark duftenden Substanzen und magischen
Sakramente. "Höchstes" Ziel des Ritualmagiers ist das Erlebnis der Transzendenz, des Hinweggetragenwerdens über
die Grenzen des Geistes hinaus zur mystischen Wirklichkeit.
Der Begriff der rituellen Magie wird jedoch auch mit
mittelalterlichen magischen Grimoires in Zusammenhang gebracht, in denen die Anrufung von Geistern beschrieben ist.
Durch Zauberbücher soll der Magier zu Macht statt zu Transzendenz kommen; solche Bücher sind u.a. "der Schlüssel
Salomos", "Grimoire des Papstes Honorius" und "Grosse Grimoire". Templer, Rosenkreuzer und Freimaurer sind nur die
bekanntesten dieser Untergruppe. Das umfangreichste System der rituellen Magie in neuerer Zeit praktiziert der
Hermetische Orden der goldenen Dämmerung (Golden Dawn)
Anm: Wer sich wundern sollte, welche 'mysteriös archaisch'
spirituellen Grundsätze fast ohne Ausnahme hinter zeremonieller- & ritueller Magie stehen, sehe sich doch mal das
'Vereins-Wappen'
der Berliner Golden Dawnler an. Noch irgendwelche Fragen?
Magie war schon immer - und ist auch heute noch - überall dort zu finden, wo wir aufmerksam genug beobachten und
zuhören und damit willentlich die künstliche Abgrenzung aufheben oder mindestens verlagern, die wir uns im Alltag selbst
zwischen dem Rationellen und dem Unfassbaren aufgebaut haben. Dann tut sich plötzlich eine viel grössere Welt auf; nicht
eine entfernte, abgetrennte, sondern eine unsere Realität in unzähligen Formen durchziehende und bereichernde Welt;
voll von kaum wahrnehmbare Energien, subtilen Intuitionen, Dialog mit nicht-menschlichen oder gar körperlosen Wesen,
kleinsten Erkenntnissen bezüglich Ursache und Wirkung und dies alles verbunden mit der äusserst wertvollen Einsicht,
dass weder wir Menschen noch irgend ein von uns definiertes Gottverständnis im Zentrum allen Geschehens stehen.
Diese tief erfahrene und von da an gelebte Erkenntnis ist denn auch der grundlegende Unteschied zwischen den vorher
beschriebenen Definitionen und einer Art Magie, wie sie von einem System angewendet würde, welches als 'keltische
Natur-Spiritualität' bezeichnet werden könnte.
In diesem Sinn ist Magie für mich denn heute immer noch (um nur drei Beispiele zu nennen):
- wenn ich nachts in den Sternenhimmel blicke und mir wieder mal verinnerliche, dass all das da 'draussen' so reell ist
wie der Boden auf dem ich stehe, während zahllose 'Augen' garantiert im selben Moment auf den Lichtfunken unserer
eigenen Sonne auf ihren eigenen dunklen Firmamenten deuten und genau dasselbe denken,
- wenn ich im Traum durch eine 'fiktive' Landschaft reise, deren Klima und topographische Gegebenheiten mir total
unbekannt sind und ich dann am nächsten Morgen mit ein wenig Recherche herausfinde, dass dieser Ort tätsächlich
irgendwo auf dem Globus existiert; Gebirgszüge und Küstenlinien, menschliche Siedlungszentren, Verkehrswege,
Wetter und Umrisslinie auf der Karte - alles inklusive, oder auch
- wenn moderne Wissenschaftler (primitiv erklärt) subatomare Partikel durch eine Röhre schiessen und diese dann
zeitlich messbar früher zum andern Ende rauskommen, als sie zum einen reingingen.
Magie ist einfach ... magisch ... und magisch einfach dazu.
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