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Von 'Gut' und 'Böse'
- ein psychologisches Erbe von 2000 Jahren dualistischer Philosophie
Das Problem
In Diskussionen über spirituelle Werte und Vorgehensweisen taucht mmer
wieder die Frage nach 'Gut' und 'Böse' auf, so wie auch immer wieder von ungenügend kompetenter Seite her
versucht wird, einzelne als magisch zu bezeichnende Phänomene, Rituale oder Handlungen im Bereich der
Grenzwissenschaften nach zwei sich gegenüberstehenden Wertmasstäben
von 'gut' und 'böse' zu bewerten.
Bestes Beispiel ist hier selbstverständlich die von vielen Vertretern der alternativen Religionen verwendete Aufteilung
von Magie in eine 'schwarze' und eine 'weisse' Untergruppe. Wie verhält es sich aber mit der Frage, ob eine solche
Aufteilung unter Berücksichtigung von alternativ religiösen Prinzipien überhaupt gerechtfertingt ist?
Die Gegebenheiten
Die Natur kennt kein wertendes Konzept von schwarz und weiss oder 'gut' und 'böse'. Die Natur kennt überhaupt keine
Dualität oder bipolare Ordnung. Die irdische Natur und im grösseren Rahmen das Universum kennt ausschliesslich die
Notwendigkeit von gewissen Gesetzen und Mechanismen, welche den Fortbestand sämtlicher Abläufe jenseits von
menschlichen Vorstellungen von Wert und Moral regelt und deren Ursache und Wirkung garantiert; mögen diese Abläufe
uns Menschen nun angenehm, irrelevant oder bedrohlich-zerstörerisch erscheinen. Die Natur ist, und wir sind
ein Teil von ihr; Baustein und Abfallprodukt, gleichberechtigt und unterworfen zugleich.
Egal, ob wir unsere eigenen Beweggründe und Taten innerhalb dieser universellen Ordnung als schwarz, weiss, grau
oder ganz nach frivolem Belieben auch als kunterbunt bezeichnen - die Relevanz all unserer Wertmasstäbe für die universelle
Ordnung in der wir leben sind und bleiben nur auf uns Menschen
beschränkt und haben darum ausserhalb unseres eigenen Mensch-Seins
weder Gültigkeit noch Daseins-Berechtigung. Als
solches sind sie immer subjektive, relative und sehr
menschlich-unvollkommene Versuche die 'Wahrheit' zu erfassen;
Definitionen, mit denen wir versuchen unsere anerzogenen oder aus eigener
Erfahrung gewonnenen Ideale von Ethik und Rechtschaffenheit anzuwenden und
unseren Mitmenschen weiterzuvermitteln.
Erste Einsichten und Fragen
Tatsache ist: Wir haben nichts Gutes, wir be-inhalten nichts Gutes und wir
sind nicht gut. Wir haben einzig die Wahl, Gutes entspechend
unserer individuellen Auslegung davon zu tun oder nicht - und damit beginnt die Kontroverse
bereits wieder. 'Gute' Handlungen nach Ansicht der einen Person werden von
anderen Menschen immer auch als "unverkennbar böse" bezeichnet.
'Böse' ist natürlich nur das Gegenteil von- und ein genauso abstrakter Wert
wie 'gut'; das absolute Böse ist nichts anderes als ein von Menschen
erfundener Name für die absolute
Abwesenheit von Liebe - dieser anderen von Menschen erfundenen Bezeichnung
- ohne aber eine eigenständige, aktiv existierende Macht zu sein. Mit
dem 'Bösen' verhält es sich objektiv wie mit der Dunkelheit, der Kälte und
der Stille. Diese sind allethalben genausowenig existent im Universum.
Wenn all diese existieren würden, warum müssten wir unsere Kühlschränke mühsam die Wärme entziehen lassen
anstatt die Milch mit Kälte zu 'bestrahlen'? Warum können wir nicht mit einem Klick am Schalter einen taghellen Raum
verdunkeln, wie wir es umgekehrt und selbstverständlich gewöhnt sind? Warum müssen wir - um absolute Stille zu erfahren -
sämtliche Geräusche vermeiden; warum können wir diese nicht einfach durch Ruhe 'übertönen'? Ganz einfach...
Das sogenannte 'Böse' - wie
auch Dunkelheit, Kälte und Stille - besitzt keine Macht!
Folgefragen und sekundäre Einsichten
Weshalb sollte das 'Böse' die Ausnahme in der Natur darstellen und tatsächlich eine
dem 'Guten' gegenüber stehende kontraproduktive Macht besitzen, welche uns beeinflussen kann oder welche man
umgekehrt (Stichwort: Satanismus) 'beschwören', kontrollieren und benutzen könnte?
Tatsache ist: Die 'Mächte des Bösen' und die sogenannte Hölle sind eine einzige Lüge - Sünde und Verdammnis sind
nichts als Lügen - der Teufel, Lucifer, böse Geister und Unterwelt-Dämonen oder wie man sie im
esoterischen Wortschatz sonst noch nennen mag sind ein armseliger Teil des
Lügen-Mythos, welcher nach dem Willen der religiösen Ober-Lügner seit hunderten
oder gar tausenden von Jahren der Einschüchterung und spirituellen
Versklavung dienen sollte und dies erstaunlicherweise immer noch tut.
Das erstaunlichste an der ganzen Sache ist, dass diese Taktik sogar bei
den ach-so-verschieden-denkenden 'Neu-Heiden' immer noch Erfolg zeigt.
Dies soll natürlich keinesfalls bedeuten, dass es keine Mächte gibt,
die uns Menschen je nach Situation unangenehm, gefährlich oder sogar
lebensgefährlich werden könnten. Dies soll lediglich bedeuten, dass
diese Mächte einfach existieren und nur in einem rein subjektiven Sinn 'böse' sind;
so 'böse' wie die reine Luft
für den Fisch oder das helle Sonnenlicht für die Wurzeln einer Pflanze.
Ein Fazit-Versuch
Das Dilemma besteht heutzutage vor allem darin, dass viele Leute zwar echt an einer alternativen
Denk- und Lebensweise interessiert wären, aber nur in den seltensten
Fällen imstande sind, sich bis ins tiefste Unterbewusstsein von den verheerenden, grundlegenden
philosophischen Irrtümern zu lösen, die ihnen von Vertretern der
vorherrschenden Religionen ein Leben lang eingehämmert
wurden. Der Glaube an 'Götter' und 'Dämonen' sitzt tief in der Psyche
und ist mit einem schlichten Übertritt zu einer alternativen Religion einfach
nicht aus dem Denken weg zu 'programmieren'. Wer in einem Judeo-Christlichen,
Islamischen oder bedingt auch Buddhistischen Umfeld aufgewachsen ist und denken gelernt
hat, wird wohl schwer mit dem echten Verständnis einer Art von
Spiritualität zu kämpfen haben, welche ohne diese Polarisierung der
Mächte des Universums auskommen muss.
Genausowenig existiert die sogenannte 'Schwarze Magie'. Magie ist Magie ist Magie. Was viele Suchende daran als
'Schwarz' bezeichnen ist ein Paradoxum an und für sich und eine Perversion höchsten Grades, weil mit dieser Bezeichnung
nur abermals versucht wird, die einzig wahren und wert-neutralen Mechanismen der Natur in eine dualistische Zwangsjacke
von zwei opponierenden Mächten zu zwingen. Pervers und paradox vor allem auch, weil man damit das eigene Denken
bereits schon wieder den religiösen Dogmen unterwirft, von denen man sich unter Einbindung von 'magischer' Arbeit
eigentlich befreien wollte. Der Jäger wird urplötzlich zum Gejagten und was als spirituelle Alternative begann, degeneriert
sehr bald zu oberflächlich 'mystisch' und 'geheimnisvoll' anzusehenden, aber im Kern plagiarisierenden und deshalb hohlen
Ritual-Praktiken.
Wer wirkliche 'Magie' praktizieren will, wer den Kontakt zur Anderswelt nicht ausschliesslich, aber
auch zum Wohl des eigenen, reellen Daseins nutzen möchte, wer bereit ist, die Wahrheit nicht aus dem Mund
eines Predigers und damit aus zweiter Hand zu erfahren sondern direkt aus der Natur
und dem Universum inklusive aller dazugehöriger Ebenen - materiell und körperlos -
wer spirituell wirklich reifen möchte, wird früher oder später erkennen
müssen dass sämtliche moralischen Klassifizierungen in 'gut' und 'böse' in dieselbe spirituelle Sackgasse
führen, in welcher auch die 'etablierten' Religionen mittlerweile
angekommen sind.
So ist es denn zutiefst betrüblich, wie fest der 'böse Geister' und 'böse Mächte' Aberglaube auch bei Menschen
verwurzelt sein kann, welche ansonsten exzellent informiert und voller positiver Motivation wären. Dies fängt
schon beim Dialog an und bei der Art, in welcher wir uns ausdrücken. Sensible Wortwahl bei Beschreibungen über
spirituelle Werte und Prinzipien ist essenziell für die Klarheit und Wahrheit der Aussage selbst, und doch tappen
auch natur- oder universell-spirituelle Menschen immer wieder in
ideologische Fallen durch die Verwendung von dualistischer Dialektik.
Ein Beispiel
Diese Arbeit wurde durch diverse Aussagen angeregt, die sinngemäss lauteten:
"Bestimmte Pflanzen
(oder Rituale, oder andere Handlungen) vertreiben böse Geister"
Nun - Gewisse Pflanzen können
bestimmt hilfreich sein, wenn wir deren Persönlichkeit und 'Talente' bewusst zu unserem eigenen Wohlergehen
einzusetzen wissen. Mit der entsprechenden Kenntnis von Ursache und
Wirkung steht uns also die Möglichkeit zur Verfügung, bestimmte Aspekte
des natürlichen Seins dieser Pflanzen für uns Menschen wirken zu lassen. Die Eigenschaften
der Pflanze selbst sind natürlich stets wert-neutral im
universell-objektiven Sinn, das heisst für uns Menschen sind sie stets als
entweder 'positiv' oder 'negativ' zu bezeichnen, je nach dem unter welchen Gesichtspunkten wir
den Einfluss der Pflanze auf unser eigenes Sein betrachten.
Die tatsächliche Situation ist also diese, dass die vorhandenen, auf unser Leben einwirkenden Kräfte
oft keine unterstützende Wirkung haben, was wir je nach Situation wiederum als 'nachteilig' empfinden mögen. Wenn wir
aber das Wissen über bestimmte Pflanzen besitzen und diesem Wissen entsprechend handeln,
z.B. durch das bewusste
Anpflanzen von entsprechender Flora an ausgesuchten Orten, dann profitieren wir tatsächlich von dieser
'magischen' Handlung. Im prosaischen Sinn könnte man sagen, dass damit 'gute Geister' angezogen wurden. Der Effekt
auf unser Leben mag sich auf dieselbe Art äussern, als wenn wir von der Geisteshaltung ausgingen,
dass damit 'böse Geister' vertrieben worden wären, nur kämen wir damit in Konflikt mit den vorher erläuterten Gründen
warum 'böse' Geister logisch überhaupt nicht existieren.
Um es mit Humor zu sagen: "Bestimmte Pflanzen vertreiben böse Geister" folgt etwa derselben Logik, als wenn
man sagen würde: "Das gute Wasser in unseren Leitungen sorgt dafür, dass keine böse Luft zum
Hahn herauskommt." Schlicht und einfach eine Verdrehung der Situation um 180°.
Persönliche Schlussfolgerung
Der Einfluss von monotheistischen Religionen hat seit deren Auftreten unzählige kleine Wandlungen in Denkweise und
Handeln der betroffenen Menschen bewirkt, aber wohl keine fundamentalere
Wandlung als der spirituelle Bruch mit der Natur und den universellen
Gesetzen selbst; d.h. die Beschränkung aller Spiritualität von der Gesamtheit des Seins auf den Menschen
und seine Beziehung zum eigenen Gott-Verständnis. Wenn wir danach
streben, uns als neue Heiden von den trügerischen Irrtümern der
sogenannten Welt-Religionen befeien zu wollen um wieder die Reinheit,
Schönheit und Einfachheit der Spiritualität unserer Ahnen zu erfahren, dann sollten wir zuallererst den Wortschatz
über Bord werfen, welcher auf den begangenen Irrtümern der Vergangenheit beruht; ein Wortschatz
welcher ohne diese Irrtümer nicht einmal existieren würde.
Das Wort ist Macht
Die Kategorisierung in 'gut' und 'böse' ist deshalb von vornherein nicht mit Natur- oder universeller
Spiritualität zu vereinbaren, weil eine dualistische Einteilung in 'positiv/gut/nutzbringend' und 'negativ/bös/schadend'
nur rein Mensch-bezogen gelten kann; eben eine Wertbezeichnung des Dualismus, mit welchem vor allem
monotheistische Religionen stehen oder fallen. In Natur- oder universeller
Spiritualität spielt der Mensch dagegen 'nur' eine Partnerrolle in der
Gesamtheit des Seins und daher haben Mensch-zentristische Begriffe kein
Platz in deren Lehren und Prinzipien.
Wer die Existenz des 'Bösen' im tiefsten Innern als reelle, 'zu überwindende' Macht
anerkennt, macht sich damit bereits zum Handlanger von religiösen
Prinzipien und Dogmen, die eigentlich ihrerseits durch Anwendung von 'alternativer'
Spiritualität überwunden werden wollten.
Blut, Schmerz, Leid, Trauer - all dies sind Bestandteile des reellen Lebens und so untrennbar mit unserem Weg verbunden,
wie die höchsten Freuden dieser Exsistenz. Wenn ich jedoch nachts durch den Wald gehe, wenn ich zu den Sternen blicke
und kein menschliches Wesen in Sicht ist, dann bin ich mir
zwar bewusst, dass überall da draussen eine echte Gefahr für mein physikalisches Leben
und Wohlergehen lauern mag - doch 'böses' sehe ich beim besten Willen nirgends...
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